Geschichte Münster

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Inhaltsverzeichnis

Die Geschichte der Stadt Münster

Von der ersten Besiedlung bis zur Domburg

Nach ersten Besiedlungsspuren ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. bestand im Bereich des heutigen Domhügels (Horsteberg) vom 2. bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. eine kleine fränkische Siedlung, die nach der Abwanderung des Stammes in das Römische Reich aufgegeben wurde. Die folgenden vier Jahrhunderte blieb der Domhügel verlassen. Im 7. Jahrhundert besiedelten nachrückende Sachsen den Horsteberg. Diese sächsische Siedlung wurde nach ihrem Gründer "Mimiger" und der Nähe zu einer Furt über die Aa "Mimigernaford" genannt. Sie lag günstig an einem Kreuzungspunkt mehrerer Handelswege und durch ihre erhöhte Lage auf dem heutigen Domhügel sicher und trocken über den sumpfigen Aa-Niederungen. Die Morphologie war damals noch ausgeprägter; z. B. lag das Aa-Bett im 9. Jahrhundert mindestens 3 m unter dem heutigen Niveau. Im Verlauf der Sachsenkriege der Franken unter Karl dem Großen, der das sächsische Stammesgebiet seinem Reich einzugliedern trachtete, wurde diese erste größere Siedlung im 8. Jahrhundert zerstört. Im Zuge dieses Krieges betrieben die Franken die Christianisierung der unterworfenen Sachsen. Dabei errichteten sie an der Stelle der zerstörten Siedlung 780 eine Missionsstation. 793 erreichte der aus den heutigen Niederlanden stammende Liudger, der von Karl dem Großen mit der Missionierung des Münsterlandes und von Teilen Frieslands beauftragt wurde, Mimigernaford. Unmittelbar nach seiner Ankunft begann er mit dem Bau eines Klosters ("monasterium") und einer Kirche. Die Bevölkerung wuchs; neben Geistlichen siedelten sich Handwerker an. 805 erhielt Liudger die Bischofsweihe und Mimigardeford wurde sein Bischofssitz. Dadurch bekam die entstandene Siedlung den Status einer "Civitas" (Stadt), da ein Bischof nur in einer solchen residieren durfte. Mimigernaford war mit Wall und Graben umgeben. Dieser befestigte Siedlungskern auf dem heutigen Domhügel wird als Domburg bezeichnet. Die Struktur dieser ersten karolingischen Civitas bestimmte das Bild des Stadtkerns in den folgenden Jahrhunderten; auch heute ist der Umriss der Domburg am Domplatz noch zu erkennen.

Der Name Münster

Nach der alten sächsischen Vorläufersiedlung wurde die Stadt ursprünglich Mimigernaford oder -gardeford genannt. Im 11. Jahrhundert begann sich die Bezeichnung Monasterium, nach dem durch Liudger gegründeten Kloster, durchzusetzen. Der Volksmund verwandelte den Namen bald in Monestre (Münster), der erstmals 1106 erwähnt wurde.

Die Entwicklung zur Stadt

Die Bevölkerung der neuen Civitas vergrößerte sich schnell. Neben dem alten Kern der Domburg, die vom Klerus und von Kriegern, Handwerkern und Gesinde besiedelt war, entstanden Märkte, die Siedlung blühte wirtschaftlich auf und errang überregionale Bedeutung; z. B. wurde in Schweden eine im 10. Jahrhundert in Münster geprägte Münze ("Mimigardefordpfennig") gefunden. Die Märkte, die anfänglich durch reisende Händler beschickt wurden, fanden wahrscheinlich vor dem Nordosttor der Domburg statt. Im 10. Jh. ließen sich erste Kaufleute im Schutz der Domburg nieder. Die Siedlung begann über die durch die Befestigung der Domburg vorgezeichneten Grenzen hinaus zu wachsen. Die neuen Marktsiedlungen entstanden neben der alten Kernsiedlung an Kreuzungspunkten der alten Fernstraßen: im Bereich vor dem Nordosttor (Drubbel, Alter Fischmarkt, Roggenmarkt) und westlich auf der gegenüberliegenden Aa-Seite (Überwasser) um die 1040 geweihte Stifts- und Pfarrkirche St. Maria, genannt Liebfrauen herum. Schon im 10. Jahrhundert errichteten sich die Kaufleute eine eigene Kapelle, einen Vorgängerbau der heutigen Lambertikirche. Dieser Kirchenbau verdeutlichte das Streben der Händler nach politischer und rechtlicher Eigenständigkeit. Im Laufe machtpolitischer Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Papst im 11. und 12. Jahrhundert, dem Investiturstreit um das Recht der Bischofseinsetzung, entzweite sich die Bevölkerung Münsters mit ihrem Bischof. Er wurde von ihr aus der Stadt vertrieben, die er daraufhin belagern ließ. Bei der Eroberung im Jahre 2. Februar 1121 brannten große Teile Münsters nieder, dabei gingen auch viele Urkunden aus der Frühzeit der Stadt (historische Quellen!) verloren. Auch nach diesem Brand blieb die Domburg weiterhin das befestigte Zentrum der Stadt, die außerhalb liegenden Kaufleutesiedlungen waren mit Palisaden und Wällen leicht befestigt. Ende des 12. Jahrhunderts kam es zu einer Verlagerung der Herrschaftsverhältnisse. Durch den Sturz Heinrichs des Löwen 1180, wurde der Bischof von Münster zum Fürstbischof erhoben und erhielt dadurch auch die landesherrliche Gewalt. In der Folgezeit schlössen sich die Kaufleute und Handwerker politisch zusammen, es begann der Prozess der Stadtwerdung Im 12. Jahrhundert bildete sich eine eigene, von der bischöflichen Gerichtsbarkeit gelöste politische Gemeinde. Nachdem die Siedlungen 1173 auch geographisch zusammengewachsen waren, begann sich das Stadtrecht auszubilden. Bis 1200 erhielt die Stadt ihre erste Stadtmauer, die die räumliche Grenze Münsters bis in das 18. Jahrhundert darstellen sollte. Die neue Befestigung stellte einen weitgesteckten Rahmen für die Stadtentwicklung der folgenden Jahrhunderte dar, so dass Teile der umschlossenen Fläche bis in das 20. Jahrhundert unbebaut blieben. Die alten Befestigungen der Domburg und der Marktsiedlungen wurden nun überflüssig und niedergelegt. Die Fläche der alten Wallanlagen der Domburg wurde in schmale Parzellen aufgeteilt und ab Ende des 12. Jahrhunderts bebaut, was sich heute noch in der Grundstücksform der Häuser auf der Westseite des Prinzipalmarktes widerspiegelt. Es entstand eine Konkurrenzsituation zwischen dem bischöflichen Landesherrn, dem Gebiete der Stadt auch rechtlich unterstanden ("Domimmunität"), und der Bürgerschaft, die zunehmend mächtiger wurde. Das Stadtrecht, das in allen Teilen der Stadt, die nicht der Domimmunität unterlagen, galt, entwickelte sich erst allmählich. Es regelte die Wehrhoheit, das Marktrecht, die städtischen Steuern und die Rechtsprechung. 1278 musste der Fürstbischof das münstersche Stadtrecht garantieren.

Die weitere Entwicklung der Stadt

In der Folgezeit blühte Münster hauptsächlich durch den Handel auf. Schon im 13. Jahrhundert gehörte die Stadt verschiedenen norddeutschen Städtebündnissen an. Schließlich trat sie dem Hansebund bei. Ein Eintrittsdatum ist nicht bekannt, eher scheint die Stadt beim Aufbau der Hanse langsam in diese hineingewachsen zu sein. Nachweislich war sie schon 1305 in dem Bund und wurde 1368 in einem Schriftstück als Hansestadt bezeichnet. Nachdem Köln aus der Hanse austrat, bildete Münster den Hanse-Vorort in Westfalen. Durch dieses Wirtschaftsbündnis entwickelte sich Münster nun rasch zu einer bedeutenden Handelsstadt. Das wirtschaftliche Aufblühen des Bürgertums und der Stadt spiegelt sich im Bau einiger bürgerlicher Gebäude wieder. So erbaute man im 14. Jahrhundert die bürgerliche Marktkirche St. Lamberti und das Rathaus, das direkt gegenüber dem Dom in Sichtweite errichtet wurde, um die politische und rechtliche Eigenständigkeit der Stadt gegenüber dem fürstbischöflichen Landesherrn zu demonstrieren. Die alten Kaufmannsgeschlechter erlangten einflussreiche Stellungen in der Bürgerschaft und bildeten deren Führungsschicht. Von diesen Familien wurde bis in das 15. Jahrhundert der Stadtrat gestellt ("Erbmänner"); dieses Vorrecht war vererbbar. Es wurde ihnen erst seit dem 14. Jahrhundert streitig gemacht, als sich die ersten Gilden bildeten, die nun an Einfluss gewannen und in die Stadtregierung drängten. 1450 bis 1458 währte die so genannte Stiftsfehde. Es war eine Auseinandersetzung zwischen Stadt und Bistum, ausgelöst durch einen Streit um die Ernennung eines neuen münsteraner Bischofs. Die Stadt befürchtete, in ihren Rechten beschnitten zu werden und es kam zu blutigen Auseinandersetzungen in ganz Westfalen. Im Verlauf der Stiftsfehde erlangten die Gilden in Münster neue Rechte; sie durften nun Mitglieder des Rates stellen. Damit verloren die Erbmänner ihre politische Vormachtstellung in Münster.

Die Reformation und das "Täuferreich"

Die 30er Jahre des 16. Jahrhunderts waren Jahre kriegerischer Auseinandersetzungen, der Reformation, der Not und eine politisch verworrene Zeit. Dies führte dazu, dass die Menschen leicht nach radikalen Erlösungshoffnungen griffen. 1530 begann der Kaplan und Prediger Bernd Rothmann, in St. Mauritz reformatorisch zu predigen. Nach anfänglichen Versuchen, dies zu unterbinden, breitete sich sein Beispiel in Münster aus, so dass 1532 an allen Pfarrkirchen der Stadt reformatorische Prediger wirkten. 1533 übernahm die reformatorische Partei den Rat der Stadt Münster. Nun begannen radikalere Strömungen aufzutreten, z. B. kam es zu ersten Bilderstürmen in der Stadt.

In dieser Phase erlangte die Bewegung der Täufer einen großen Einfluss in der Stadt. Die Täufer lehnten die Kindertaufe ab, verweigerten den Eid und den Kriegsdienst, verwarfen die Strukturen der Kirche und praktizierten die Erwachsenentaufe. Die Bewegung breitete sich hauptsächlich in den Niederlanden und im angrenzenden Nordwestdeutschland aus. Ihr Führer war seit 1533 der ehemalige Bäcker Jan Matthys, der militante Positionen vertrat. Nach ihm sollten die "Auserwählten" (die Täufer, die sich als solche betrachteten) die "Heiden" mit dem Schwert bekämpfen und diese besiegen. 1534 traten in Münster die Prediger um Rothmann den Täufern bei; ihnen folgten viele weitere Anhänger. Der Bischof versuchte, sie aus der Stadt auszuweisen, die Stadt stellte sich aber auf ihre Seite. Mit der Ratswahl von 1534 übernahmen die Täufer die Macht im Stadtrat. Damit hatte die Bewegung Münster im Laufe eines Jahres übernommen.

Der Konflikt zwischen dem bischöflichen Landesherrn und der abtrünnigen Stadt brach nun offen aus, als der Fürstbischof Franz von Waldeck die Stadt zu belagern begann. Nachdem die Wiedertäufer ihre Gegner aus der Stadt verjagt hatten, begannen sie unter ihrem Propheten Jan Matthys mit dem sozialen Umbau der Bürgerschaft nach dem Vorbild der urchristlichen Apostelgemeinde. Mit Bücherverbrennungen und Bilderstürmen versuchte man, die Reste des alten Kirchenwesens zu beseitigen. Man führte die Gütergemeinschaft ein und schaffte das Geld ab. Als Ziel hatten die Täufer die Errichtung eines "Neuen Jerusalems" in Münster. Für Ostern 1534 erwarteten sie den Anbruch des Gottesgerichts, die Wiederkehr Christi und die Vernichtung der Gottlosen. Als dies nicht geschah, ritt Jan Matthys zu einem Ausfall, bei dem er die Belagerer allein vernichten wollte, vor die Tore der Stadt. Sein Versuch schlug fehl und die Täufer standen ohne Führer da. Der Schneider und Gastwirt Jan Bockelson, genannt van Leiden, wurde sein Nachfolger. Er setzte den Rat der Stadt ab und beseitigte die herrschende Ordnung. Schließlich proklamierte er sich zum König von Münster, mit Hofstaat und Insignien. Er wollte das Reich Christi erschaffen. Stattdessen begannen die Täufer mit Zwangstaufen und führten ein Terrorregime. Als sie die Vielweiberei einführten, kam es zu einem Aufstand in der belagerten Stadt, der blutig niedergeschlagen wurde. Der Versuch Jan van Leidens, andere Nachbarstädte zu "missionieren", scheiterte. Auch kam kein Entsatz durch niederländische Wiedertäufer, die von den Belagerern abgefangen wurden.

Die "Wiedertäufer-Käfige" am Turm der Lambertikirche (Foto: Presseamt der Stadt Münster).
Nachdem eine Hungersnot in der Stadt ausbrach und sich die Lage für die Eingeschlossenen zusehends verschlechterte, gelang den Belagerern nach Verrat die Erstürmung der Stadt. Diese endete in einem Blutbad unter den Einwohnern. Drei Anführer der Täufer, Jan van Leiden, sein Statthalter Bernd Knipperdolling und das Ratsmitglied Bernd Krechting, wurden gefangen genommen und anschließend in ganz Westfalen zur Schau gestellt. 1536 wurden die drei in Münster auf dem Prinzipalmarkt mit glühenden Zangen hingerichtet. Die grausame Art der Hinrichtung folgte der Peinlichen Halsgerichtsordnung von 1532, und entsprach somit dem damals geltenden Recht. Die Leichen wurden zur Abschreckung in drei eisernen Käfigen am Turm von St. Lamberti aufgehängt. Die leeren Käfige sind auch heute, mehr als vier Jahrhunderte später, noch am Kirchturm zu sehen.

Der siegreiche Bischof gab der Stadt ein neues Stadtrecht, das die Eigenständigkeit und die Macht der Bürgerschaft beschnitt. Aber schon 1541/53 erlangte die Stadt wieder ihre alten Freiheiten. Die Stadt erholte sich schnell vom erlittenen Bevölkerungsverlust. Kultur und Wohlstand der Bürgerschaft wurden kaum beeinträchtigt. In den folgenden Jahrzehnten erreichte Münster ihre Blüte als Bürgerstadt. Trotz verschiedener Versuche des fürstbischöflichen Landesherrn, die Rechte Münsters einzuschränken und seine Machtfülle auszubauen, gelang es der Stadt, sich gegen den Bischof durchzusetzen. Nachdem die Täuferbewegung in Münster niedergeschlagen wurde, blieben auch weiterhin Lutheraner in der Stadt. Das Fürstbistum blieb katholisch, bezog aber bis 1585 keine deutliche politische Position gegen die Reformation, wodurch der Fürstbischof verhinderte, in Glaubenskriege hineingezogen zu werden. Ihren katholischen Charakter erhielt die Stadt erst, nachdem der Jesuitenorden in Münster Fuß zu fassen begann. 1588 errichtete der Orden ein Jesuiten-Kolleg und übernahm im gleichen Jahr den Unterricht an der paulinischen Domschule. Er erlangte in der Folgezeit großen Einfluss in der Stadt und betrieb dort die Gegenreformation. Allmählich gelang es, die Protestanten zurückzudrängen. Diese Entwicklung gipfelte 1628 in der Ausweisung der protestantischen Mitbürger aus Münster durch den Rat der Stadt.

Der Westfälische Frieden

1618 bis 1648 tobte in Europa, vornehmlich auf deutschem Boden, der 30-jährige Krieg. Die Kämpfe zwischen der evangelischen Union und der katholischen Liga verschonten auch das Münsterland nicht. In den 1620er Jahren verwüsteten die Truppen des evangelischen Christian von Braunschweig Westfalen, die aber von katholischen Truppen unter Tilly vernichtet werden konnten. 1633 besetzten wiederum protestantische Truppen das Westmünsterland, das anschließend von katholischer Seite zurück gewonnen werden konnte. Im Laufe dieser kriegerischen Handlungen wurde Münster zwar belagert, aber nicht eingenommen oder zerstört.

1643 begannen Friedensverhandlungen in der Stadt, die auf der kaiserlich-katholischen Seite stand und nun offiziell als neutral erklärt wurde. Die evangelische Seite tagte in Osnabrück, die katholische in Münster. In Münster stiegen insgesamt 200 Gesandte, Vertreter des Papstes, des Kaisers und der katholischen Reichsstände, Venedigs, Spaniens und der spanischen Generalstaaten, ab. Die Verhandlungen dauerten bis 1648. Im Mai 1648 wurde im Ratssaal der Stadt Münster der spanisch-niederländische Sonderfriede geschlossen, der die Unabhängigkeit der niederländischen Provinzen (Generalstaaten) von Spanien zur Folge hatte. Im Oktober folgte der Friede zwischen der kaiserlichen Seite und Frankreich. Durch diesen "Westfälischen Frieden", der alle in Osnabrück und Münster geschlossenen Verträge umschließt, wurde der 30-jährige Krieg beendet. Der alte Ratssaal Münsters wird daher als Friedenssaal bezeichnet.

Die Zitadelle

Münster hatte nun einen weitgehend autonomen Status erlangt. Die Ratsbeschlüsse galten in der Stadt als Gesetz; in der Hand der Stadt lagen die Rechtsprechung, die Verwaltung, die Verteidigung und die Polizei. Dieser Zustand wurde durch die neutrale und autonome Stellung der Stadt während der Friedensverhandlungen noch unterstrichen. Münster befand sich auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Ansehens. Nachdem die Stadt schon 1646/47 die Ausweitung ihrer Privilegien beim Kaiser durchsetzen wollte, kam es nun zu einem Konflikt mit dem neuen Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen, der die Rechte der Stadt zu beschneiden beabsichtigte. Die Stadt versuchte ihrerseits, die Reichsfreiheit zu erlangen. In diesem Machtkonflikt scheiterte sie und nach einer Belagerung unterwarf der Landesherr 1661 die Stadt und nahm ihr alle Freiheiten. Der Rat wurde entlassen, die städtische Autonomie aufgehoben und die Rechte beseitigt. Damit wurde der Landesherr zum Herrscher über die Stadt. Von Galen erbaute die Zitadelle ("Zwingfestung") an der Stelle des heutigen Schlosses und belegte sie mit einer starken Garnison, um die Stadt unter Kontrolle zu halten. Die Gilden verloren ihre politischen Rechte, die Bürger wurden zu Untertanen gemacht. Der Bischof regierte in Coesfeld. Als Folge des 30-jährigen Krieges, der Friedensverhandlungen, des Konfliktes mit ihrem Landesherrn und dessen Maßnahmen (die Stadt musste z. B. für den Unterhalt der Garnison sorgen) verschuldete sich die Stadt tief, ihre Finanzen waren ruiniert.

18. und 19. Jahrhundert

Die Entwicklung bis zum Nationalsozialismus=== Aber schon von Galens Nachfolger, Ferdinand von Fürstenberg, führte das Recht der Ratswahl wieder ein, verkleinerte die Garnison und verringerte die Steuern. Das weitere Gedeihen der Stadt war darauf zurückzuführen, dass Münster wieder Bischofssitz wurde und als Aufenthaltsort des regionalen Adels diente, wovon zahlreiche Adelshöfe zeugen. Das Stadtbild wurde durch Prachtbauten geprägt. Der bedeutendste westfälische Baumeister war Johann Conrad Schlaun, der u. a. den Erbdrostenhof und das Schloss in Münster erbaute. 1723 wurde der Fürstbischof von Münster zugleich Kürfürst von Köln, wodurch das Fürstbistum Münster von nun an zu Köln gehörte. Den siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763 überstand Münster trotz mehrfacher Belagerung und Einnahmen größtenteils unbeschadet. Im 18. Jahrhundert regierte Franz von Fürstenberg die Stadt als Minister und Generalvikar für den Kölner Kurfürsten, der zugleich Bischof von Münster war und in Bonn residierte. Von Fürstenberg lieferte für die Entwicklung Münsters wichtige Impulse. Er ließ ab 1764 die Festungswälle niederlegen, die überflüssig geworden waren und die räumliche Entwicklung Münsters stark einschränkten. An die Stelle der Zitadelle trat 1767 das Schloss, die niedergelegten Befestigungen wurden z. T. bebaut, der Rest wurde zur Promenade umgestaltet, einem Grüngürtel, der die Innenstadt umgibt und den Verlauf der alten Stadtbefestigung widerspiegelt. Von Fürstenberg begann, das Steuersystem, das Rechts-, das Gesundheitswesen und das Bildungswesen (z. B. erlässt er 1776 eine fortschrittliche Allgemeine Schulordnung) zu reformieren, und die Landwirtschaft auszubauen. Auf sein Betreiben kam es 1780 zur Eröffnung der Universität in Münster. 1802 besetzten preußische Truppen unter Blücher Münster, das nach Absprache mit Frankreich an das Königreich Preußen fiel. Nach den Beschlüssen des Reichsdeputationshaupausschusses und der Säkularisierung verlor der Fürstbischof anschließend auch offiziell seine Landesherrschaft. In der Folgezeit begann Freiherr vom Stein, eine Verwaltung nach preußischem Vorbild in der Stadt zu organisieren.

Das erste preußische Intermezzo währte aber nicht lange. Schon 1806 fiel Münster an das napoleonische Frankreich und wurde 1808, nach einer zweijährigen, französischen Gouvernementszeit, dem neu gebildeten Großherzogtum Berg angegliedert. 1811 bis 1813 gehörte Münster wieder direkt zu Frankreich, nämlich als Arrondissement Münster zum Lippe-Departement.

1813 wurde die Stadt erneut von preußischen Truppen besetzt, und kam unter vorläufige preußische Verwaltung. Nach den Gebietsneuordnungen, die auf dem Wiener Kongress geregelt wurden, sprach man das Bistum Münster 1815 endgültig dem Königreich Preußen zu. 1816 wurde Münster zur Hauptstadt der neu gebildeten preußischen Provinz Westfalen erhoben, und in der Stadt ein dazugehöriger Verwaltungsapparat aufgebaut. Die Stadt erhielt ihre Prägung durch zahlreiche Behörden und Beamten, was sich auch heute noch in ihrer wirtschaftlichen Struktur widerspiegelt. Die Stadt wurde zum Zentrum des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens der Region. 1872 bis 1884 tobte in Preußen der Kulturkampf, der in Münster besonders heftig geführt wurde. Der Staat versuchte, den Einfluss der katholischen Kirche stark zu beschneiden, was natürlich im streng katholischen Münster zu Widerständen führte. Im Verlauf der Auseinandersetzungen wurde 1875 der Bischof verhaftet, der anschließend nach Holland ins Exil ging, aus dem er 1884 zurückkehren konnte. Der Kulturkampf erzeugte in Münster eine starke Identifizierung der Bevölkerung mit der Kirche, ohne dass die versuchte Beschneidung ihres Einflusses von großem Erfolg gekrönt war. Münster erhielt in dieser Zeit den Beinamen "nordisches Rom". Die Stadt wurde immer weiter ausgebaut. Sie erhielt mit der Eisenbahn und dem Dortmund-Ems-Kanal Anschluss an das Umland und vergrößerte sich räumlich und personell. 1815 lebten 15000 Einwohner in Münster; 1870 waren es 25000 und 1914 schon 100000. 1875 und 1903 wuchs Münster durch Eingemeindungen. Die Stadt entwickelte sich nicht zu einem Industriestandort, sie behielt ihren Charakter als Verwaltungs- und Behördenstadt. Daneben hatte sie eine Bedeutung als Garnison; in der Stadt gab es mehrere Kasernen, die allmählich an den Stadtrand verlegt wurden.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Mit Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft wurde Münster, als Provinzialhauptstadt schon zuvor ein bedeutendes Verwaltungszentrum, auch wesentlicher Schwerpunkt der NS-Administration. Während die überwiegend katholische Bevölkerung zumindest eine gewisse Distanz zur NS-Ideologie und -Herrschaftspraxis wahrte, vollzog sich auf Verwaltungsebene ein tiefgreifender Paradigmenwechsel. Die von den Nationalsozialisten unmittelbar nach der Machtergreifung einsetzende Aufrüstung der Reichswehr führte nicht nur zu einer verstärkten Stationierung von Militär, sondern auch zur Einrichtung neuer Kommandobehörden und Dienststellen. Kasernen, Dienstgebäude und Lager wurden neu eingerichtet. Die Tatsache, dass Münster zur Zeit des Nationalsozialismus nicht nur den Sitz des Generalkommandos eines Armeekorps und des Wehrkreiskommandos VI beherbergte, sondern dass hier auch ein Luftkreiskommando bzw. später ein Luftgaukommando eingerichtet wurde, zeigt die militärische Bedeutung der Stadt zwischen 1933 und 1945. In der heute als Erinnerungs- und Forschungsstätte eingerichteten Villa ten Hompel am Kaiser-Wilhelm-Ring 28 hatte der Befehlhaber der Ordnungspolizei für den Wehrkreis VI den Oberbefehl über eine 200.000 Mann starke Polizeigruppe, die nicht nur bis dato reguläre Polizeifunktionen übernahm, sondern auch Wachmannschaften und Transportbegleitungen für die Deportationszüge in die Konzentrations- und Vernichtungslager stellte. Zudem waren Ordnungspolizisten massiv an Massakern osteuropäischer Juden beteiligt. Die jüdische Bevölkerung sah sich auch in Münster massiver Verfolgung ausgesetzt. Von den 1933 immerhin 484 Mitgliedern der jüdischen Gemeinde fanden bis 1939 rund 280 Zuflucht in anderen Ländern. Die restlichen 200 Juden wurden, sofern sie nicht untergetaucht waren, zwischen Dezember 1941 und Juli 1942 nach Riga, Warschau und Theresienstadt deportiert. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Münster das Ziel von insgesamt 102 Bombenangriffen, die rund 1300 Menschenleben forderten und 92 Prozent der historischen Altstadt zerstörten. Doch auch die Wohn- und Außenbereiche der Stadt waren vom allierten Bombenhagel betroffen: 62,7 Prozent der Wohnungen waren zerstört oder unbewohnbar geworden. Während Münster in bezug auf die Bombenopfer noch vergleichsweise glimpflich davongekommen war, lag es nach Aachen und Köln nordrheinwestfalenweit auf Platz 3 der zerstörten Städte.

Die Nachkriegsgeschichte

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die zerstörte Innenstadt behutsam wieder aufgebaut. Man hielt weitgehend an dem alten Straßennetz und der Grundstücksverteilung fest. Das Ergebnis war ein Erhalt des Stadtbildes und des historischen Gesamteindrucks der Stadt. Mit der Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen (1949) verlor Münster seine Bedeutung als Provinzhauptstadt. 1975 vergrößerte sich die Stadt erneut durch Eingemeindungen im Zuge der Gebietsreformen der kommunalen Neugliederung. Heute besitzt Münster ca. 273.000 Einwohner auf einer Fläche von 302 km2 und hat einen Einzugsbereich mit etwa 1,2 Mio. Menschen.