Täufer

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Täufer (früher auch Wiedertäufer oder Anabaptisten genannt) sind Anhänger einer radikalreformatorisch-christlichen Bewegung, die im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts in den deutsch- und niederländischsprachigen Teilen Europas entstanden ist und die nicht selten als der linke Flügel der Reformation bezeichnet wird.

Obwohl das Täufertum im deutschsprachigen Raum meist als historisches Phänomen der Reformationszeit wahrgenommen wird, da abgesehen von den Mennoniten die Täufer durch Verfolgung und Assimilationsdruck aus dem deutschsprachigen Raum verschwunden sind, haben täuferische Kirchen heute weltweit eine in die Millionen gehende Zahl von Anhängern, wobei traditionelle Täufergruppen wie die Amischen, die Altkolonier-Mennoniten, die Mennoniten alter Ordnung und die Hutterer weltweit zu den am schnellsten wachsenden christlichen Gemeinschaften gehören.

Wichtige Konzepte der Täufer sind die Nachfolge Christi, die Kirche als Bruderschaft und die Gewaltlosigkeit. Ihr Denken und Verhalten begründen sie ganz aus der wortgetreuen Auslegung des Neuen Testamentes (sola scriptura), was auch in ihrem Sakramentsverständnis (Gläubigentaufe, Abendmahl) zum Ausdruck kommt. Hinzu kommen Forderungen nach Glaubensfreiheit, nach Trennung von Kirche und Staat, teilweise nach Gütergemeinschaft (Hutterer) und nach Absonderung von der Welt. Die genannten Konzepte und Glaubenshaltungen bzw. -praxen sind in den einzelnen Gruppierungen der Täuferbewegung unterschiedlich stark ausgeprägt und akzentuiert. Insgesamt war die Bewegung der Täufer vor allem in den ersten beiden Jahrhunderten ihrer Existenz heftigen Verfolgungen durch die Obrigkeit und die Amtskirchen ausgesetzt.

Täuferische Kirchen sind heute die Hutterer, Mennoniten und Amische. Zu den jüngeren Strömungen werden die Bruderhöfer, die Evangelischen Täufergemeinden (ETG, auch Evangelisch Taufgesinnte oder auch Neutäufer) die pietistisch-täuferischen Mennonitischen Brüdergemeinden, die River Brethren und die Schwarzenau Brethren hinzugezählt. Obschon es auch einzelne Berührungspunkte mit später entstandenen Freikirchen wie den Baptisten gibt, sind diese im konfessionellen Sinne nicht den Täufern zuzurechnen.

Literatur

  • Hans Joachim Hillerbrand: Bibliographie des Täufertums, 1520–1630. Gütersloh 1962.
  • Ausführliche Literaturverzeichnisse in: Goertz (1980), S. 209–219 und Stayer (TRE 2001), S. 615–617.
  • Peter Hoover: Feuertaufe. Das radikale Leben der Täufer - eine Provokation, Down to Earth, Berlin 2006, ISBN 978-3-935992-23-7

Weblinks