Albert Mazzotti (senior)

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Albert Mazzotti (senior) (*25. Januar 1882 in Münster; † 14. Februar 1951 ebenda) war ein Bildhauer aus Münster und Mitbegründer der Freien Künstlergemeinschaft Schanze im Jahr 1919. Sein Sohn war der Bildhauer und Gestalter Albert Mazzotti (junior) (*29. August 1921 in Münster; † 14. Januar 2008 ebenda).

Albert war das älteste von vier Kindern der Eheleute Theresia und Pietro Mazzotti. Sein Vater, der aus der Toskana stammte, war ein italienischer Bildhauer und Gipsgießer, der sich um 1865 in Münster niedergelassen hatte.

Schon als Kind bekam der kleine Albert künstlerischen Unterricht von seinem Vater. Nach abgeschlossener Schulzeit – während der er bereits eine Bronzemedaille für seine Zeichenkunst erhielt – besuchte er die Bildhauerklasse an der Schule für Kunst und Handwerk in Münster. Einer seiner Lehrer war der bekannte Bildhauer Anton Rüller. Nach bestandener Abschlussprüfung schrieb er sich im Jahr 1906 an der Akademie der Bildenden Künste in München ein. Er studierte unter anderem bei Wilhelm von Rümann und lernte dort auch Bernhard Bleeker kennen, dessen Schwester er später heiratete. Im Anschluss an Studienreisen in Deutschland und Italien zog es ihn zurück nach Münster.

Hier arbeitet Mazzotti mit dem Prosektor (Sezierer) und Anatomieprofessor Dr. Johannes Brodersen (1878–1970) am neu geschaffenen Anatomischen Institut der Westfälischen Wilhelms-Universität zusammen. Er experimentierte damit, plastische und zerlegbare Modelle von menschlichen Organen und einzelnen Körperteilen zu erschaffen. Mit diesem Wissen war er später unter anderem in der Lage, Totenmasken mit Ohren abzunehmen – wie die von Clemens August Graf von Galen (1946). Die Zusammenarbeit am Anatomischen Institut verlief offenkundig nicht ganz spannungsfrei. Dabei ging es um den abgelehnten Ankauf „kostspieliger Modelle“, die Mazzotti an Leichen aus dem Institut in Gips hatte ausführen können: ein Bein mit Arterien und Nerven sowie ein Modell der oberen Bauchorgane. Indes erwarb das Institut später zwei „instruktive Gipsmodelle menschlicher Organe“ und profitierte zudem von zwei Schenkungen des Künstlers. [Anm. 1]

Noch als Soldat im Ersten Weltkrieg heiratete er Anna Bleeker. Mazzotti gehörte 1919 zu den Mitbegründern der heute noch bestehenden Künstlergemeinschaft Schanze in Münster. 1925 arbeitete er als Dozent am „Instituto Cesare Battisti“ in Triest (Italien).

Sein Wirken während der NS-Zeit bedarf noch der historischen Einordnung. Noch
1944 wurde ihm der Gau-Kulturpreis Westfalen-Nord verliehen; im gleichen Jahr zerstörte ein Bombenangriff sein Atelier an der Kirchherrngasse. Dort arbeitete auch der Münsteraner Bildhauer und Grafiker Aloys Röhr (1887-1953) bis 1944 in fester Anstellung.

Ab 1944 war Mazzotti für einige Jahre Patient in einem Krankenhaus in Meschede. Dennoch fertigte er im Jahr 1946 die Totenmaske des Kardinals von Galen an.

Nach langer Krankheit verstarb Albert Mazzotti senior am 14. Februar 1951 in Münster.

Werke (in Auswahl)

Sein rascher Aufstieg begann um das Jahr 1914 in Münster ein. Der umtriebige Mazzotti war auf vielen Feldern aktiv. Er fertigte Büsten, schuf Krieger- und Grabdenkmäler, Brunnen, Heiligenstatuen, Altargruppen, Portraitköpfe, Plaketten, Gipsmodelle sowie Architekturplastiken. Zusammen mit seinem Vater produzierte er die in den 1920er Jahren beliebten Mazzotti-Krippen im Gipabdruckverfahren. Mazzotti soll über 200 Arbeiten erschaffen haben. Einige seiner Werke: [Anm. 2]

  • Die Kriegergedächtniskapelle in der Dorfkirche in Westbevern (u. a. eine Ölbergszene)
  • Planungen für das Denkmal der Kriegervereine in Balve, das zur Tausendjahrfeier des Ortes 1930 eingeweiht wurde.
  • Das Ehrenmal des königlich preußischen 3. Lothringischen Feldartillerie-Regiments Nr. 69, ein Lothringer Kreuz aus Stein, das im Schlosspark von Münster steht. Es zeigt ein Relief von Soldaten, die in den Krieg ziehen, kämpfen und wieder in der Heimat empfangen werden. Hinzugefügt sind die Namen der Schlachtfelder des Regiments. Geschaffen wurde es von Albert Mazzotti (sen.) und Wilhelm Wucherpfennig.
  • Ein Löwenmonument für die Stadt Dülmen
  • Franziskusbrunnen für den Innenhof des Franziskushospitals in Münster;
  • Statuette des Täuferkönigs Johann Bockelson
  • Statue eines Hl. Joseph; eine „Immaculata“ und eine „Mater Dei“ für die Heilig-Kreuzkirche in Münster
  • Ehrenplakette des Hl. Paulus (als Ehrenplakette der Stadt Münster);
  • Zahlreiche Portraitbüsten, u.a. des Pädagogen Bernhard Overberg, sowie von Wilhelm Adam Sertürner (Entdecker des Morphiums), Karl Weierstraß (Mathematiker), Wilhelm Röntgen (Entdecker der Röntgenstrahlen), Johann Joseph von Görres, Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein
  • Die Habichtsstatue in der Gartenvorstadt Habichtshöhe, die früher zu einem Brunnenensemble gehörte und noch heute zu besichtigen ist.

Anmerkungen und Einzelnachweise

  • [Anm. 1]: Birte Barbian: Die Geschichte der Anatomischen Sammlung des Institutes für Anatomie in Münster mit besonderer Berücksichtigung ihrer historischen Modelle und Präparate. Inaugural-Disseration an der Medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, 2010
  • [Anm. 2]: Daten zum Teil entnommen aus Aloys Dieckmann: Von zeitgenössischer Münsterscher Bildhauerkunst, in: Die christliche Kunst, 25. Jg., 1928/29, (mit Abb. von Werken Mazzottis S. 258-260)).