Franz von Forkenbeck

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Franz Bernhard Walburgis von Forkenbeck (getauft 13. Dezember 1796 in Münster; † 8. April 1849 in Berlin) war ein Jurist, preußischer Beamter und liberaler Politiker. Er entstammte einer alteingesessenen münsterländischen Familie.

Franz Forkenbeck war der Sohn des fürstbischöflichen münsterischen Geheimrats und Kanzleidirektors (später preußischer Geheimer Kriegs- und Domänenrat) Maximilian Forkenbeck und dessen zweiter Gattin Anna Maria, geborene Schweling. Sein Sohn, ebenfalls Jurist und Politiker, war der langjährige Berliner Oberbürgermeister Maximilian (Max) von Forckenbeck (* 23. Oktober 1821 in Münster; † 26. Mai 1892 in Berlin). Im Eintrag in der Allgemeine Deutsche Biographie (ADB) zu Enkel Max heißt es über den münsterländisch-fürstbischöflich-neupreußischen Familienhintergund:

Allerdings stammte die nach dem Osten verschlagene geadelte Beamtenfamilie, der F. angehörte, aus dem bäuerlich-bürgerlichen Blute des neupreußischen Westens. Ein jüngerer Sohn eines alten Schulzenhofes, auf dem die Forckenbecks im Kreise Lüdinghausen im Stifte Münster seit langem saßen, war in die Stadt gezogen und seine Nachkommen hatten bürgerliche und gelehrte Berufe, schließlich in der Stadt Münster selbst ergriffen. Ein Maximilian Forckenbeck, der Großvater des Unsrigen, war im höheren Beamtendienst des Hochstifts Münster emporgekommen, in der Epoche, da die Ideen des 18. Jahrhunderts, der Aufklärung und der wohlmeinenden Reform von oben auch in dieses geistliche Staatswesen hineinwehten, lange Zeit die rechte Hand des trefflichen Ministers Fürstenberg. Und als sein Staat der preußischen Monarchie einverleibt ward, wurde der tüchtige Mann von dem Oberpräsidenten [...] Frhrn. vom Stein auserwählt, damit er als geborener Münsterländer die Hinüberführung in die neuen Zustände erleichtere. (ADB, Band 48, 1904:630)

Zunächst schrieb sich Franz von Forkenbeck – die Familie wurde 1804 in den erblichen preußischen Adelsstand erhoben – an der Universität Münster ein, nahm dann aber an den Befreiungskriegen teil und plante eine militärische Laufbahn. Ab 1816 studierte er Rechtswissenschaften in Göttingen und schloß dort mit einem Kommilitonen, dem späteren Kriminalschrifsteller Jodocus Donatus Hubertus Temme (1798–1881) einen „Freundschaftsbund für das Leben“. Der Westfale Temme (aus Lette bei Oelde stammend), wechselte als Jurist ähnlich häufig seinen dienstlichen Einsatzort wie Freund Forkenbeck. Beide galten zu Zeiten des Vormärz als eher liberale, regierungskritische Politiker. Temme wirkte mehrfach beruflich in Münster – 1848 wurde er zum Vizepräsidenten des Oberlandesgerichts in Münster ernannt. Schon bald intrigierte man gegen ihn – aus politischen Gründen; er wurde sogar des Hochverrats angeklagt und am 22. Dezember 1848 vorübergehend verhaftet. Nach kurzem Intermezzo außerhalb der Stadtmauern Münsters kehrte er zurück, wurde erneut angeklagt, verbrachte neun Monate innerhalb von Münsters Gefängnismauern in Untersuchungshaft – und wurde erst am 6. April 1850 freigesprochen.

Forkenbeck war zunächst Assessor in Paderborn, dann Oberlandesgerichtsrat in Hamm und ließ sich später in gleicher Funktion in Münster nieder. Zudem betätigte er sich in der städtischen Armenkommission und verfasste 1831 eine Schrift über die geplante neue Haussteuer. Für die 1832 eingerichtete Provinzial-Hülfskasse, die sein Schwager Johann Hermann Hüffer mitbegründet hatte, wirkte er als Rechtsbeistand.

Forkenbeck war im politischen Spektrum des Vormärz als Liberaler einzuordnen. Unter dem Eindruck der französischen Julirevolution gehört er zu den westfälischen Politikern, die den preußischen König an die Errichtung der verheißenen "Reichsstände", d. h. einer Verfassung und einer parlamentarischen Vertretung für ganz Preußen, mahnten. Forkenbeck war maßgeblicher Verfasser eines Wählerschreibens an das wiedergewähltes Mitglied des 4. Westfälischen Provinziallandtags, seinen Schwager Johann Hermann Hüffer; dieser wurde in dem Brief aufgefordert, den Antrag auf Einrichtung von Reichsständen zu erneuern. Doch der Unmut des Berliner Beamtenstaates traf den Beamten Forkenbeck – und nicht den Unternehmer Hüffer – hart. Im Frühjahr 1833 wurde er per Kabinettsorder und ohne Gewährung von Umzugskosten an das Oberlandesgericht im entfernten Breslau strafversetzt. Weder die Beliebtheit in der münsterischen Bürgerschaft, noch die Entrüstung lokaler Juristen oder eine Intervention des Oberpräsidenten von Vincke konnten dieses verhindern. (Siehe auch Hüffer 1852:125). 1835 kehrte er nach Münster zurück und nahm 1837 seine Tätigkeit für die Provinzial-Hülfskasse wieder auf.

1836, nach Einführung der revidierten Städteordnung, kandidierte er als Oberbürgermeister. Forkenbeck konnte – hinter dem amtierenden Bürgermeister Joseph von Münstermann – noch vor dem Bankier Johann Heinrich von Olfers, die zweithöchste Stimmenzahl erringen. Es gab einschlägige Fürsprache zu Gunsten von Forkenbeck beim preußischen König („geistige Regsamkeit, Entschlossenheit und einen konziliatorischen Charakter“; so ein Empfehlungsschreiben des Vizepräsidenten Albert von Vahlkampf). Dennoch verblieb verblieb von Münstermann im Amt. (Was im übrigen das demokratische Votum reflektierte; aber zu damaliger Zeit oblag es dem preußischen König, die Bürgermeisterwahl zu bestätigen.) Forkenbeck engagierte sich im Stadtrat und wurde 1841 zum Vizepräsdidenten des Oberlandesgerichts in Glogau ernannt – bemerkenswert, da er der erste Katholik in solch exponierter Stellung in Preußen war.

Am 8. April 1849 traf Franz von Forkenbeck ein Schlaganfall – „mitten aus der Verfassungsarbeit in der Ersten Kammer, in der er auf der Linken seinen Platz genommen hatte, hinweggerafft“. (ADB 1904:631)

Literatur

  • Johann Hermann Hüffer: Erlebtes (Als Manuskript für seine Kinder gedruckt). Aschendorff, Münster 1854 (Online: ULB Münster)

Weblinks

  • Hermann Oncken in: Allgemeine deutsche Biographie (ADB): Artikel: Forckenbeck, Max von Bd.: 48, Nachträge bis 1899: Döllinger - Friedreich, Leipzig, 1904 Digitalisat
  • Franz Brümmer in: Allgemeine deutsche Biographie (ADB): 'Artikel: Temme, Jodocus Deodatus Hubertusherausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 558–560 Digitalisat