Friedrich Raßmann

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Christian Friedrich Raßmann (* 3. Mai 1772 in Wernigerode; † 9. April 1831 in Münster) war ein Herausgeber von Zeitschriften, Bibliographien und Anthologien, Redakteur, Schriftsteller und Autor.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Friedrich Raßmann war der Sohn des Pastors und Lehrers Heinrich Ernst Raßmann (1734–1812), der ab 1763 Bibliothekar des Grafen Christian Ernst Stolberg-Wernigerode wurde. Raßmann ging mit seinen Eltern im Jahr 1783 nach Halberstadt, wohin sein Vater als Rektor der dortigen Martinischule berufen wurde. Von 1791–1794 studierte er protestantische Theologie in Halle – damals Sitz einer der wichtigsten deutschen Universitäten –, bestand sein Examen als Predigtamtskandidat und trat als freiwilliger Lehrer an jener Martinischule ein.

Schon in früher Kindheit war in ihm die von seinem Vater geerbte Neigung zur Poesie erwacht und schon seit seinem 18. Jahre wurden einzelne seiner Dichtungen gedruckt. Bald aber that er einen Schritt, dessen Beweggründe wir nicht kennen und der für sein ganzes Leben verhängnißvoll gewesen ist; er gab seine Lehrstelle im J. 1800 auf und ist seitdem, nur von seiner Schriftstellerei lebend, im Privatstande geblieben.“ (E. Förstemann) [Anm.1]

In Halberstadt knüpfte er Kontakte zu literarischen Kreisen, u.a. zu Johann Wilhelm Ludwig Gleim. 1803 und 1804 arbeitete er als Redakteur bei den „Neuen Anzeigen vom Nützlichen, Angenehmen und Schönen" und für die "Allgemeine Zeitung der Merkwürdigkeiten" in Halberstadt sowie nebenbei im Korrektorat. Auf Anregung des Hofrats Johann Gottlieb Karl Spazier, Gründer und Redakteur der „Zeitung für die elegante Welt“, kam er gegen Ende 1804 nach Münster, wo er Redakteur des "Merkur" wurde und sich zudem vergeblich um die längerfristige Herausgabe diverser Zeitungen bemühte. Auch der „Merkur“ ging 1806 ein. Raßmann musste sich mit Privatunterricht über Wasser halten; zugleich versuchte er sich als Literat.

Da es hiemit niemals recht glücken wollte und er außerdem noch eine Familie zu ernähren hatte, so war er fortwährend höchst empfindlichem Mangel, zuweilen der bittersten Noth überliefert. In einem ärmlichen Zimmer, das er zuweilen lange Zeit hindurch, einmal fünf Monate lang, nicht verließ, lebte er mit den Seinigen zusammen, rastlos und fast übermenschlich arbeitend und mitunter sogar heitern Sinn sich bewahrend.“ (E. Förstemann) [Anm.2]

Im Jahre 1812 wurde er nach dem Tode des Vaters durch die kleine Erbschaft auf kurze Zeit seiner finanziellen Sorgen entrückt. Allerdings kränkelte Raßmann seit 1812 zunehmend. 1820 erhielt er eine feste Anstellung als Zensor der Münsterischen Leihbibliotheken, eine Funktion, die er bis zum Tode ausübte. Seit 1823 schien er auch geistig zu leiden; „Wassersucht und wechselndes Irresein verzehrten sein Leben. Noch 1830 arbeitete er fast sterbend an einem in die Litteratur der Musik einschlagenden lexikalischen Werkchen, das nach seinem Tode erschien“ (E. Förstemann). 1825 trat er – der Sohn eines protestantischen Geistlichen und selbst Absolvent einer protestantischen Universität – ohne erkennbaren Anlass zur katholischen Kirche über, in einer Zeit, in der sich Konversionen häuften. Raßmann hat sich, soweit man weiss, niemals zu diesem Schritt geäußert.

Literarisches Wirken

Als Schriftsteller ist Friedrich Raßmann außerordentlich vielseitig und fruchtbar gewesen. „Seine Dichtungen haben zwar Mangel an Phantasie und poetischer Kraft, doch zeigen sie eine reine Form, große Gewandtheit, namentlich im Nachbilden romanischer Formen, und eine gewisse Anmuth. Sie gehören fast ausschließlich dem lyrischen Gebiete an.“ (E. Förstemann) [Anm.3]

Zweifelsohne bekannter war er für seine bibliographisch-literarhistorischen Aktivitäten; insbesondere sein „Münsterländisches Schriftstellerlexikon“, noch heute eine wichtige zeitgenössische Quelle zur Erforschung der Lesekultur in Westfalen darstellt. Es erschien in fünf „Abtheilungen“ (Lingen 1814 und 1815, Münster 1818 und 1824 sowie nach seinem Tode 1838 (in seinem „Leben und Nachlaß“). Später (1866) wurde es von seinem Sohn Ernst neu bearbeitet und herausgegeben. Darüber hinaus verfasste Raßmann zahlreiche weitere Anthologien („Blumenlese südlicher Spiele im Garten deutscher Poesie“, Berlin 1817; „Rheinisch-westphälischer Musenalmanach“, Hamm 1821 und 1822), Dichter-Lexika, „kritische Gesamtregister“ zu Literaturrezensionen, zahlreiche Beiträge zu Meusel’s gelehrtem Teutschland. In Münster redigierte er „Eos, Zeitschrift für Gebildete“ (1810), die jedoch gleichfalls nicht lange bestand. So scheiterte auch mit sonstigen Bemühungen, neue Zeitschriften ins Leben zu rufen oder als Organisator des literarischen Lebens in Westfalen – dies bisweilen mit seinem Freund Friedrich Arnold Steinmann .

Das Scheitern seiner vielen Bemühungen (...) die fehlende Resonanz auf seine Projekte, das Leben am Rande des Hungertodes, schließlich sein Verzweifeln an der Mißachtung der „Schönen Künste“ in Münster – all dies deutet darauf hin, daß hier in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts kaum Ansätze einer Lesekultur vorhanden waren. Es gehört zu den Widersprüchlichkeiten dieses Mannes, aber auch zu seiner emotionalen Anhänglichkeit, daß er dem einmal gewählten Wohnort treu blieb.“ [Anm.4]

Wenig nachsichtig urteilt sein Biograf Ernst Wilhelm Förstemann abschließend: „Diese zersplitterte und zum Theil ganz fruchtlose Thätigkeit eines Mannes, der zum Schreiben gezwungen war, kann zum warnenden Beispiel für Manchen dienen, der im Begriffe steht, sich dem sog. Schriftstellerberuf im engem Sinne zu widmen.[Anm.5]

Einzelnachweise

  • Anm.1 : Ernst Wilhelm Förstemann: Artikel „Raßmann, Christian Friedrich“, in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 335–336,
  • Anm.2 : ebd.
  • Anm.3 : ebd.
  • Anm.4 : Walter Gödden (1992) zitiert aus: Friedrich Raßmann, in: Westfälisches Autorenlexikon [zuletzt abgerufenam 12. August 2013]
  • Anm.5 : Ernst Wilhelm Förstemann, a.a.O.

Werke