Erwin Iserloh

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Erwin Iserloh (* 15. Mai 1915 in Ruhrort, heute Duisburg; † 14. April 1996 in Münster) war ein bedeutender römisch-katholischer Kirchenhistoriker und Ökumeniker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach dem Theologiestudium in Münster wurde Iserloh 1940 durch Bischof Clemens August Graf von Galen im Dom zu Münster zum Priester geweiht. Anschließend konnte er bei Joseph Lortz, dem Pionier einer neuen katholischen Lutherforschung eine reformationsgeschichtliche Dissertation anfertigen. 1942 wurde Iserloh zum Präses in der „Knabenerziehungsanstalt St. Josefshaus" bei Wettringen ernannt. Er beaufsichtigte seelsorgerlich mehrfach straffällig gewordene schwierige Jugendliche im Alter von 16 bis 21 Jahren im Heidhof. Diese geschlossene Abteilung war von den anderen Zöglingsgruppen isoliert in einem eigenen Gebäude untergebracht.

Im Herbst 1943 kam Iserloh an die Ostfront und wurde am 22. März 1945 in Rosenberg (heute Krasnoflotskoje (Oblast Kaliningrad), dem Hafen von Heiligenbeil (Ostpreußen, heute Mamonowo), verwundet. Er kam mit einem Verwundetentransport nach Swinemünde (Świnoujście) und danach nach Heringsdorf (auf Usedom) in ein Kriegslazarett. Danach wurde er in das Reservelazarett II in Helmstedt verlegt.

Im Juni 1945 wurde Iserloh auf Anordnung der englischen Militärregierung in das Reservelazarett St. Josefshaus bei Wettringen verlegt. Nach seiner Genesung übernahm er dort die Leitung einer Gruppe von schulentlassenen Jungen. Im November 1945 wurde er Hausgeistlicher im Kloster zum Heiligen Kreuz in Freckenhorst (Kreis Warendorf). 1947 ging er zum Weiterstudium nach Rom an das Priesterkolleg am Campo Santo Teutonico. Dort war er Schüler von Hubert Jedin, bei dem er sich 1951 in Bonn habilitierte. Für Jedins mehrbändiges Handbuch der Kirchengeschichte verfasste später Iserloh die Kapitel über die Reformation (Band 4, 1. Teil).

Iserloh lehrte Kirchengeschichte, von 1954 bis 1964 an der Theologischen Fakultät Trier und von 1964 bis zu seiner Emeritierung 1983 in Münster, wo er zunächst Direktor des Katholisch-Ökumenischen Instituts der Westfälischen Wilhelms-Universität wurde.

Von 1976 bis 1990 war Iserloh Residierender Domkapitular in Münster. Er wurde auf dem Domherren-Friedhof am Dom im Innenhof des Kreuzgangs beerdigt

Leistungen

Iserlohs Forschungsschwerpunkte waren das Spätmittelalter, die Geschichte der Reformation und der Gegenreformation. Aufsehen erregte seine Behauptung, dass Martin Luthers Anschlag von 95 Thesen an der Schlosskirche in Wittenberg am 31. Oktober 1517 in der überlieferten Form nie stattgefunden habe. Dabei stellte der gute Kenner des Lebens und der Werke Martin Luthers jedoch nicht die Authentizität der 95 Thesen selbst in Frage.

Iserloh gab die Schriftenreihen Corpus Catholicorum, Katholisches Leben und Kirchenreform und Reformationsgeschichtliche Studien und Texte heraus, die sich mit katholischen Theologen des 16. Jahrhunderts beschäftigt; ferner die Schriften und Briefe des katholischen Sozialreformers Wilhelm Emmanuel von Ketteler. Er war Mitherausgeber der Zeitschriften Theologische Revue und Catholica, ferner Mitglied im Beirat des Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik in Paderborn und in der Kommission für Zeitgeschichte in Bonn sowie Berater der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz.


Schriften (Auswahl)

  • Die Eucharistie in der Darstellung des Johannes Eck : Ein Beitrag zur vortridentinischen Kontroverstheologie über das Messopfer. Münster : Aschendorff 1950 (Dissertation 1942)
  • Gnade und Eucharistie in der philosophischen Theologie des Wilhelm von Ockham : Ihre Bedeutung für die Ursachen der Reformation. Wiesbaden : Steiner 1956 (Habilitation)
  • Luthers Thesenanschlag, Tatsache oder Legende?. Wiesbaden : Steiner 1962
  • Luther zwischen Reform und Reformation. Der Thesenanschlag fand nicht statt, Münster 1966, 1968 (3. Auflage)
  • Luther und die Reformation, Aschaffenburg 1974
  • Geschichte und Theologie der Reformation, Paderborn 1980; 4. Aufl. 1998
  • Kirche – Ereignis und Geschichte. Aufsätze und Vorträge. Münster : Aschendorff 1985
  • Lebensrückblick. In: Römische Quartalschrift für christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte 82 (1987) 15–43 (Online-Publikation)

Literatur

  • Remigius Bäumer (Hrsg.): Reformatio ecclesiae : Beiträge zu kirchlichen Reformbemühungen von der Alten Kirche bis zur Neuzeit ; Festgabe für Erwin Iserloh. Paderborn : Schöningh 1980
  • Remigius Bäumer: Erwin Iserloh. Sein wissenschaftliches Lebenswerk. Zu seinem 80. Geburtstag. In: Annuario de Historia de la Iglesia 5 (1996), S. 501-505 (als pdf-Datei mit falcher Angabe des Geburtsdatums)
  • Wilhelm Damberg: Iserloh, Erwin. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 31, Nordhausen 2010, ISBN 978-3-88309-544-8, Sp. 687–694.
  • Barbara Hallensleben: Erwin Iserloh (1915–1996) – ein „Moderner von (über)morgen“. In: Trierer Theologische Zeitschrift 120 (2011), S. 150-163 (Online-Publikation)

Weblinks

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