Rjasan

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Rjasan (auch Rjazan; russisch: Рязань) ist eine russische Stadt und zugleich Hauptstadt der Oblast Rjasan. Sie liegt rund 200 km südöstlich von Moskau am Fluss Oka. Die Stadt hat 512.200 Einwohner (2007) und ist seit 1989 Partnerstadt Münsters.


Rjasan (Рязань)
Basisdaten
Föderationskreis Zentralrussland
Oblast Rjasan
Koordinaten 54° 37' N, 39° 43' O
Erste Erwähnung 1096
Stadt seit 1719
Fläche 224 km²
Höhe des Zentrums 130 m
Einwohner 512.200 (2007)
Bevölkerungsdichte 2.287 Einw./km²
Zeitzone UTC+3 (Sommerzeit: UTC+4)
Telefonvorwahl (+7)4912
Postleitzahl 390000 - 390048
russischer Gemeindeschlüssel OKATO 61401
Kfz-Kennzeichen 62
Bürgermeister Oleg Wladimirowitsch Schischow
Website www.admrzn.ru

Inhaltsverzeichnis

Stadtgliederung

Die Stadt Rjasan ist in vier Stadtrajons (gorodskoj rajons; Stadtbezirke) unterteilt:

  • Stadtrajon Moskowski (Московский) mit 171.793 Einwohnern. Der Name bedeutet Moskauer Rajon.
  • Stadtrajon Oktjabrski (Октябрьский) mit 132.205 Einwohnern. Der Name bedeutet Oktoberrajon und bezieht sich auf die Oktoberrevolution des Jahres 1917.
  • Stadtrajon Schelesnodoroschny (Железнодорожный) mit 136.888 Einwohnern. Der Name leitet sich vom Ausdruck schelesnaja doroga ( d. h. Eisenbahn) her.
  • Stadtrajon Sowjetski (Советский) mit 72.375 Einwohnern. Der Name bedeutet Sowjetischer Rajon.

[Anm. 1]

Geschichte

Die Geschichte Rjasans ist eigentlich die Geschichte mehrere Städte. Die Hauptstadt des Rjasaner Fürstentums lag ursprünglich ca. 50 Kilometer weiter südöstlich die Oka flussabwärts. An dieser Stelle befindet sich heute das Dorf Staraja Rjasan (Alt-Rjasan). Hier ließ Fürst Swjatoslaw I. Igorewitsch um 965 eine Festung errichten. Erst nach deren Verwüstung durch die Mongolen unter Batu Khan im Jahre 1237 verlagerte sich die Hauptstadt des Fürstentums im 14. Jahrhundert nach Perejaslawl. Diese Stadt war zuvor an der heutigen Stelle Rjasans entstanden. Beide lagen an der Oka und an wichtigen Handelsstraßen.

Es gibt keine amtliche Urkunde zur Stadterhebung Rjasans oder Perejaslawls. Der Name Rjasan taucht zum ersten Mal in einer Urkunde vom 1096 auf, in der es um den Besuch der „Hohen Fürsten“ geht. Die Urkunde, die als Beleg für das 900–jährige Jubiläum des heutigen Rjasan diente, stammt aus dem Jahr 1095 (6603 nach byzantinischer Zeitrechnung) und bezieht sich auf den Bau der Sankt Nikolai-Kirche in Perejaslawl. Beide Orte besaßen jedoch wohl schon vorher das Stadtrecht.

Das Gebiet des heutigen Rjasan war seit dem 9. Jahrhundert ein Handelsplatz namens Wjatkow direkt an der Oka. Im 10. Jahrhundert wurde in einer Flussschleife eine Festung erbaut, später als obere Siedlung bezeichnet. Die mittelalterliche Stadt Perejaslawl begann ihre Entwicklung Ende des 11. Jahrhunderts als Domäne des Großfürsten Oleg (gest. 1115), während im Lande offiziell sein junger Bruder der Großfürst Jaroslaw I. (der Weise) regierte. Er ließ etwa einen Kilometer von der oberen Siedlung entfernt eine weitere Festung, den heutigen Kreml, erbauen und nannte die entstehende Stadt Perejaslawl, oder auch Perejaslawl-Rjasanski zur Unterscheidung anderer gleichnamiger Städte. Diese nahm als Knotenpunkt bedeutender Handelsstraßen raschen Aufschwung. Die Stadt an sieben Flüssen wurde damals Durchgangsgebiet für Kaufleute und Pilger auf dem Weg nach Zentralasien (Iran, Chusistan) und ins "Heilige Land".

Der älteste Kirchenbau, die Sankt Nikolai-Kirche, stammt auch aus dieser Zeit, sie ist bereits 1095 urkundlich genannt. Diese Kirche bildete die geistige und örtliche Mitte in der damaligen Stadt. Der Bau ist jedoch heute nicht mehr erhalten, da er durch eine Feuersbrunst im Jahre 1611 zerstört wurde.

Um 1110 wurde Perejaslawl-Rjasanski zur „geistlichen Hauptstadt“, also Bischofssitz der Rjasaner und Muromer Diözese. In der alten oberen Siedlung wurde die Bischofskathedrale, die Boris-und-Gleb-Kirche gebaut. Dieser Stadtteil wurde daher fortan auch Borissow-Glebow genannt. Als Bischofs- und Fürstenresidenz festigte die Stadt ihre Bedeutung. In Perejaslawl standen die Großfürsten und auch der orthodoxe Klerus aber in Konkurrenz mit der so genannten slawischen Wetsche, der Versammlung der Stadtbevölkerung, die erst im 14. Jahrhundert aufgelöst wurde.

Den damaligen Glanz des Landes an der mittleren Oka schilderte in seinen Aufsätzen der arabische Geograf Abu Hamid al-Gharnati, der zwischen 1150 und 1153 das Fürstentum besuchte.

Der Streit wegen der alten Rjasaner Stadt Kolomna führte zu großen Spannungen mit den Herrschern des Kiewer Rus. 1176 begann der Krieg zwischen den Rjasaner Fürsten und dem Großfürsten Wsewolod III. Die Rjasaner Fürsten waren militärisch unterlegen. So wurde Perejaslawl-Rjasanski und die Vorstädte von den Truppen Wsewolods 1180 besetzt und gebrandschatzt. Die Beamten der Rjasaner Großfürsten und sogar der Bischof wurden gefangen genommen und nach Wladimir und Susdal verschleppt. Damit wurde die religiöse Unabhängigkeit des Fürstentums Rjasan für ungültig erklärt. Krieg und Verwüstung überzogen Rjasan. Erst 1212 stifteten die Großfürsten den „ewigen“ Frieden auf den Territorien zwischen der Oka und Wolga.

Der Rjasaner Großfürst (nicht zu verwechseln mit dem Großfürsten der Kiewer Rus) Igor verstarb 1194 in Perejaslawl-Rjasanski.

Am Anfang des 13. Jahrhunderts begann eine kurze Blütezeit für das Rjasaner Fürstentum. Seine Hauptstadt Rjasan zählte damals ca. 15.000 Einwohner, Perejaslawl-Rjasanski zählte vermutlich ca. 2000 Einwohner.

Im Dezember 1237 erschienen in den Südrjasaner Steppen die Mongolen unter Batu Khan. Nach einer großen Belagerung wurde die glanzvolle Fürstenhauptstadt Rjasan am 21. Dezember 1237 fast völlig dem Erdboden gleichgemacht. Viele Tausende von Menschen starben damals in der Stadt, die mit den Flüchtlingen aus dem Steppenland überfüllt war … „Und weinte Rjasan über seine Kinder und konnte sich nicht trösten …“ Die Mongolenfeldzüge zertrümmerten die Kultur und die Staatsordnung des Landes. Als die letzten Rjasaner Fürsten von den Mongolen geschlagen flohen, wurden fast alle Rjasaner Städte niedergebrannt.

Perejaslawl-Rjasanski wurde nicht zerstört, verlor allerdings ebenfalls stark an Bedeutung. Eine ausgeplünderte, erschöpfte Stadt war Perejaslawl nach den Mongolenfeldzügen. Aber am Ende des 13. Jahrhunderts erstarkte sie wieder. Im Jahre 1285 erhob der Erzbischof Wassili Perejaslawl-Rjasanski wieder zur Bischofshauptstadt. Hier wurde er 10 Jahre später in seiner Kirche zu den heiligen Fürsten Boris und Gleb begraben. Spätestens ab dieser Zeit ist davon auszugehen, dass Perejaslawl-Rjasanski, Borissow-Glebow und der alte Handelsplatz Wjatkow zu einer Stadt verschmolzen. Die Rjasaner Fürsten bauten das alte Rjasan nicht wieder auf. Der Rurikiden-Großfürst Konstantin Romanowitsch (ca. 1265-1305) erkor Perejaslawl-Rjasanski 1300 zum Herrschersitz seiner Dynastie.

Im 14. und 15. Jahrhundert erlebte die Stadt eine politische und kulturelle Blütezeit unter dem Großfürsten Oleg Iwanowitsch (1340-1402), auch Oleg Rjasanski genannt. Die Stadt war Zentrum weltlicher und kirchlicher Macht. Der Kreml wurde zur größten Zitadelle im gesamten Südrussland. Allerdings wurde der Einfluss des nahen Moskau immer stärker und 1521 kam die Stadt mit dem ganzen Fürstentum unter Moskauer Herrschaft.

Im Jahre 1778 erklärte Zarin Katharina II. die Stadt zur Hauptstadt der Rjasaner Statthalterschaft und nannte sie in Rjasan um. 1796 wurde sie zur Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war Rjasan somit zu einer Handels- und Verwaltungsstadt geworden.

Die große Industrialisierung setzte in den 1940er Jahren ein, da die Stadt während des Zweiten Weltkriegs nicht von der deutschen Wehrmacht besetzt worden war.

Heute ist Rjasan Verwaltungs- und Industriestadt. Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen zählen die Schwerindustrie und die Metallverarbeitung. Daneben haben zahlreiche Bildungsinstitutionen hier ihren Sitz, unter anderem das berühmte Institut der Luftlandetruppen .

Sehenswürdigkeiten

Kreml

Die Stadt ist mit Sehenswürdigkeiten prall gefüllt. Der Kern der Stadt ist der Kreml, dessen Geschichte bis 1095 zurückreicht aber auch die Alte Zitadelle um Borissow-Glebow. Markanter Punkt ist die prächtige Uspenski-Kathedrale aus den Jahren 1693-1699 mit einer Fläche von 1600 Quadratmeter und einer Höhe von 72 Metern. Die gewaltige Ikonostase der Kathedrale hat eine Höhe von 27 Meter. Das ebenfalls sehenswerte Palais Olegs war die Residenz des Bischofs. Der Glockenturm (1789-1840), fertiggestellt von den beiden berühmten Architekten Konstantin Andrejewitsch Thon und Andrei Woronichin, erhebt sich in 89 Metern Höhe; mit seiner kaisergelben klassizistischen Architektur ist er von allen Punkten der Stadt zu sehen.

Die Stadt verfügt über ein bedeutendes Opernhaus, eine Philharmonie und zahlreiche weitere Kirchen, Klöster und andere architektonische Attraktionen.

Städtepartnerschaften

  • Münster , Deutschland, seit 1989
  • Bressuire, Frankreich (seit 1994)
  • Lowetsch, Bulgarien
  • Omiš, Kroatien

Söhne und Töchter der Stadt

  • Sergej Alexandrowitsch Jessenin (* 1895 – † 1925), Dichter
  • Andrej Andrejewitsch Markow (* 1856 – † 1922), Mathematiker
  • Iwan Petrowitsch Pawlow (* 1849 – † 1936), Mediziner, Physiologe und Nobelpreisträger
  • Irina Alexejewna Simagina (* 1982), Leichtathletin
  • Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski (* 1857 – † 1935), Raketenpionier

Literatur

  • Becker, Annette (Hrsg.); Rjasan in Rußland : Informationen, Analysen, Begegnungen ; ein Projekt der Volkshochschule, Münsters Zentrum für Bildung und Kultur und der Städtischen Koordinierungsstelle für Auslandsbeziehungen; Münster : Edition Volkshochschule 1995
  • Hans Felsmann Red.); Münster - Rjasan : 10 Jahre Städtepartnerschaft 1989-1999; Münster : Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Münster - Rjasan 1999
  • Je. W. Michailowskij (Text); E. I. Stejnert (Fotos); W. M. Melnikow (Ill.) ; Ryazan : Monuments of Architecture and Fine Arts / Рязань : Памятники архитектуры и искусства; Moskau : Sovietskaya Rossia Publishers / "Советская Россия" 1985 [Text in Russisch und Englisch]

Weblinks

Einzelnachweise

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Rjasan aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Wikipediaartikel steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.