Karl Georg Friedrich von Wobeser

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Karl Georg Friedrich von Wobeser (* 27. Februar 1750 in Bellin, Neumark; † 23. April 1821 in Berlin) war ein preußischer General und Chef des Dragonerregiments No.14, dessen Stabsgarnison in Münster war.

Er entstammte einem alten pommerischen Adelsgeschlecht mit Stammsitz bei Rummelsburg (heute das polnische Miastko), das eine Reihe von namhaften Offizieren und Generälen der preußischen Armee hervorgebracht hat. Wobeser (das erst „e“ wird nicht gesprochen) war 1765 in das Dragonerregiment Alvensleben eingetreten und nahm am letzten Feldzug von Friedrich II. 1778/79 (Bayerischer Erbfolgekrieg) teil. Nach dem polnischen Feldzug von 1794/95 wurde er zum Oberstleutnant befördert. 1797 wurde er Kommandeur des Leib-Carabiniers (Leibregiment zu Pferde No. 11). Von 1803 bis 1806 war er Chef des neu eingerichteten Dragonerregiments No. 14, das im Münsterland stationiert wurde. In Münster scheinen er und sein Regiment – im scharfen Gegensatz den anderen preußischen Militärs – ähnlich beliebt wie der Militärgouverneur Gebhard Leberecht von Blücher gewesen zu sein. Häufig ritt General-(Major) Wobeser „auf den Promenaden des Stadtwalls [...] seine Ordonnanz in voller Uniform hinter sich“ , wie Heinrich Carl Berghaus in seinen Erinnerungen schreibt. Seine Dienstwohnung war auf dem Schlossplatz:

"General von Wobeser, der Chef dieses Regiments, war ein großer, etwas beleibter Herr, dem, wenn er zu Pferde saß, man es ansah, er müsse ein echter Reiterführer sein. Aus seinem Gesicht strahlte ein ungemein lieblicher Ausdruck von Wohlwollen, wegen dessen er sich auch in der Stadt bekannt gemacht hatte. Er wohnte auf dem Schloßplatz im ehemaligen fürstbischöflichen Marstall, einem vom Schloß abseits stehenden, sehr stattlich und elegant aussehenden Gebäude, dessen Oberstock über den Stallungsräumen zu sehr schönen Wohnungen eingerichtet war, die den Gemächern des Unterstocks im Schlosse nicht im mindesten nachstanden." (Berghaus 1862, Band 2, S. 37f)

Und über seine Truppe heißt es: „Die Offiziere von Wobeser Dragoner waren die einzigen der Besatzung, die in der münsterschen Gesellschaft gern gesehen wurden. Es gab unter ihnen schöne Leute, die das Herz mancher jungen Aristokratin von der münsterschen Ritterschaft und vieler Patriziertöchter lebhaft pochen ließen.“ (Berghaus 1862, Band 2, S. 42)

Münster war nach der Besitznahme durch Preußen Garnisonsstadt. Neben dem Grenadierbataillon von Hollmann, dem Fußregiment von Hacke Musketier, welches später von dem Regiment von Schladen abgelöst wurde, sowie den Füsilierbataillonen von Ivernois und Ernest, hatten auch die „Wobeser Dragoner“ ihre Stabsgarnison in Münster. Zeitgenosse Berghaus notierte hierzu:

"Das Regiment lag in einem großen dreistockhohen Gebäude, das schon unter fürstbischöflicher Regierung zur Caserne für das einzigste Reiterregiment des Hochstifts gedient hatte. Es lag im Krummentimpen, einer engen, krummlaufenden, schmutzigen Gasse, und hatte große Stallungen um einen geräumigen Hof, der mit der Hinterseite an's Aaflüßchen stieß. Wer von den Dragonern nicht in der Caserne Platz gefunden hatte, war in dem umliegenden Stadttheile bei den Bürgern, deren Häuser mit Stallungen versehen waren, untergebracht." (Berghaus 1862, Band 2, S. 37)

Am 20. Mai 1803 wurde Wobeser zum Generalmajor befördert. 1805 erhielt er anlässlich der „Revue“ – der einzigen Militärschau, die in der ersten Preußenzeit in Münster auf der Loddenheide stattfand – den Orden Pour le mérite.

1806 kommandierte er bei den Rückzugsgefechten der Preußen ein Detachement im Rüchelschen Korps in der Region um Weimar. Im Oktober 1806 kapitulierte die preußische Heeresgruppe unter Generalleutnant Fürst Blücher nach der Schlacht bei Lübeck vor den Truppen Napoleons in Ratekau. Wobeser geriet hier in Gefangenschaft und wurde 1809 als Generalleutnant aus der Armee verabschiedet. In den Befreiungskriegen trat er erneut in den Dienst und war Befehlhaber einer Landwehrdivision bei Großbeeren, bevor er 1815 – mit einer Pension von 1500 Talern – in den Ruhestand trat. Wobeser galt als einer der besten preußischen Kavallerie-Befehlshaber seiner Zeit.

Literatur

  • Heinrich Carl Wilhelm Berghaus: Wallfahrt durch's Leben vom Baseler Frieden bis zur Gegenwart. (Veröffentlicht unter Pseudonym: Von einem Sechsundsechziger, in 9 Bänden). Hermann Costenoble, Leipzig 1862
  • Bernhard von Poten: „Wobeser, Karl George Friedrich von“ Artikel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 43 (1898), S. 702–703,Digitalisat
  • Kurzbiographie in: The Napoleon Series: Prussian Generals of the Napoleonic Wars 1793-1815: Wobeser, Karl Georg Friedrich von [englischsprachige Biographiedaten]